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Küchen: Ideale Maße

Schön soll sie sein und gut ausgestattet: die neue Küche. Doch bei der Planung gibt es noch mehr zu berücksichtigen. Die richtigen Maße und Arbeitsabläufe sorgen dafür, dass Sie komfortabel arbeiten können und dabei Ihren Körper nicht unnötig belasten.

Bewegung ist gesund – aber nur, wenn sie richtig ausgeführt wird und weder die Gelenke noch den Rücken belastet. Die meiste körperliche Arbeit fällt zu Hause in der Küche an. Auch wenn die vielen kleinen Handgriffe erst nicht weiter auffallen – nach einem Arbeitstag in der Küche wird Ihr Körper merken, ob Ihre Küche ergonomisch – also bewegungsfreundlich – oder unpraktisch gestaltet und angeordnet ist.

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Das A und O ist die richtige Höhe der Arbeitsfläche. Dass diese dem Rücken zuliebe der Körpergröße der Person angepasst werden sollte, die am meisten in der Küche arbeiten wird, ist heute kein Geheimnis mehr. Die Arbeitsfläche sollte in etwa 10-15 Zentimeter unter der Höhe der Ellenbogen liegen. Besonders ergonomisch ist es, wenn Sie die Möglichkeit nutzen, die Kochfläche rund 15 Zentimeter abzusenken, denn hier gilt die Topfhöhe als Arbeitshöhe. „Ein qualifizierter Küchenspezialist wird deshalb seinen Fokus immer auch auf eine ergonomische Planung legen und dazu persönlich Maß nehmen. Denn für jeden von uns gibt es eine individuell-ideale Arbeitshöhe“, bestätigt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK). Lästiges Bücken entschärft man außerdem mit Geschirrspülern und Backöfen, die nicht mehr ebenerdig, sondern auf Griffhöhe eingebaut werden.

Wer bereit ist, in Komfort für alle zu investieren, kann höhenverstellbare Arbeitsflächen oder Spülen einplanen. Eine flexible Komfortlösung für unterschiedlich groß gewachsene Küchennutzer sind elektrisch höhenverstellbare Sockelsysteme: Arbeitsplatten und Küchenschränke lassen sich damit per Knopfdruck um bis zu 20 Zentimeter auf die jeweils subjektiv angenehme Arbeitshöhe hoch- und herunterfahren – auch je nachdem, ob eine stehende oder sitzende Tätigkeit ausgeübt wird.

Gerade wer groß ist und eine hohe Arbeitsfläche benötigt, sollte auf den Abstand zu den Oberschränken achten. Hier sind mindestens 50, besser 65 Zentimeter einzuplanen. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie sich beim Arbeiten stoßen oder andauernd den Oberschränken ausweichen müssen.

Die Küche gibt die Höhe nicht her, aber an Fläche ist Platz genug? Dann hilft ein Trick. Wählen Sie einfach eine tiefere Arbeitsplatte von 70 oder 80 Zentimetern statt der Standardtiefe von 60 Zentimetern. Die Unterschränke rücken dadurch nach vorn. So entsteht mehr Abstand zu den Oberschränken für komfortables Arbeiten.

Bei schwer beweglichen Klapptüren an den Oberschränken können mechanische oder elektrische Unterstützung beim Öffnen, Bewegen und Schließen der Möbel den Körper entlasten. Ein sanfter Druck mit dem Finger, und schon schwebt die Klappe des Oberschranks wie von Zauberhand in die Höhe. Bei den Unterschränken sorgen Vollauszüge für mehr Komfort: kein verdrehtes Bücken, langes Hocken, geducktes Hineinkriechen mehr.

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Der richtige Weg

Doch nicht nur die richtige Ausstattung, auch die gekonnte Anordnung erleichtert die Bewegungsabläufe. Neben der Spüle sind Flächen sinnvoll, um benutztes oder per Hand abgespültes Geschirr abzustellen. Neben dem Herd brauchen Sie Stellfläche, um Zutaten bereit zu legen, aber auch um Töpfe kurz vom Herd ziehen zu können. „Für alle vor- und zubereitenden Tätigkeiten ist ausreichend viel Arbeits- und Abstellfläche erforderlich. Auch hierfür gibt es ein wissenschaftlich untersuchtes und validiertes Referenzmaß“, erklärt AMK-Geschäftsführer Mangels: „Wir empfehlen eine Mindestbreite der Hauptarbeitsfläche zwischen Kochfeld und Spüle von 90 Zentimetern, obwohl mehr Arbeitsfläche noch besser und angenehmer ist.“ Bei Rechtshändern sollte die Spüle links vom Herd sein, oder auch über Eck bei einer Winkelküche. Bei einer Kochinsel kann der Herd auch gegenüber der Spüle eingeplant werden.

Wenn der Platz für eine großzügige Spüle mit zwei separaten Becken und genügend Abstellfläche rechts und links fehlt, können Sie ebenfalls tricksen: Mit einem Schneidbrett aus Holz oder Kunststoff, das genau über die Spüle passt, verwandelt sich diese schnell in zusätzliche Arbeitsfläche.

Die Geburtsstunde ergonomischer Planung: die Frankfurter Küche.

Als Urtyp der modernen Einbauküche gilt die 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entwickelte Frankfurter Küche. Im Rahmen eines Projekts sollte eine Küche entworfen werden, die so zweckmäßig und funktional gestaltet sein sollte wie ein industrieller Arbeitsplatz. Es sollte der erste nach ergonomischen und praktischen Erwägungen gestaltete Küchenarbeitsplatz sein. Alle wichtigen Dinge sollten mit einem Handgriff erreichbar sein und eine Vielzahl von Gerätschaften sollte die Arbeitsgänge verkürzen. Letztendlich war es das Ziel, der Hausfrau die Arbeit zu erleichtern, sodass sie mehr Zeit mit der Familie und weniger Zeit in der Küche verbringen konnte.

Das Ergebnis war eine extrem kompakte Küche, rundherum mit nach praktischen Erwägungen gestaltetem Mobiliar ausgestattet, inklusive einer Arbeitsplatte, an der im Sitzen gearbeitet werden konnte, und fest installierten Schütten zur Lebensmittelaufbewahrung. Die Standardvariante der Frankfurter Küche wurde als Modulsystem konzipiert, das in großer Auflage in Fabriken hergestellt werden konnte und von den Tischlern nur noch eingebaut werden musste. Die Küche gilt daher als erste industriell gefertigte Einbauküche und ist noch heute in mehreren Museen zu bewundern.