Mein Zuhause

Küche für sie und ihn

Die Küche ist längst nicht mehr das alleinige Revier der Frau. Auch die Männer wollen heutzutage mitentscheiden und beim Kochen mitmischen. Gut, dass sich die Vorlieben beider Geschlechter zur idealen Küche verbinden lassen.

Update "Schatz, wo sind bei uns die Teller?" Solche Sätze gehören eindeutig der Vergangenheit an. Die Zeiten, in denen die Männer die kleine Einbauküche, in der die Frau hinter verschlossener Tür geheimnisvoll werkelte, nur betraten, um Bescheid zu sagen, dass sie Hunger haben, sind lange vorbei.
Männer mischen mit: beim Einkauf, beim Kochen, beim Kinderversorgen – und haben so natürlich auch immer genauere Vorstellungen davon, was die Küche bieten und wie sie aussehen soll. Immerhin ist die Küche laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid für zwei Drittel der Deutschen Mittelpunkt der Wohnung und aktuellen Statistiken zufolge der Raum, in den am meisten investiert wird.
Kein Wunder, dass beide Geschlechter in puncto Ausstattung und Gestaltung ein Wörtchen mitreden wollen. Stehen wir vor einem neuen Geschlechterkampf? Ganz im Gegenteil. Die renommierten Küchenhersteller verstehen es ganz wunderbar, die weiblichen und männlichen Vorlieben in ihrem Angebot unter einen Hut zu bringen, und viele aktuelle Trends kommen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – beiden Seiten zugute.

Die neue Offenheit

Da wäre zunächst die Vorliebe für offene Wohnküchen. Männer lieben sie, machen sie doch den Aufenthalt in der Küche erst möglich. Denn den Salat zu schnibbeln oder das Grillfleisch zu marinieren, ohne im Hintergrund das Bundesligaspiel laufen zu lassen oder gleichzeitig schon mal mit dem besten Freund ein Bierchen trinken zu können, wäre für einen Mann reichlich unattraktiv.

Technikspielzeuge

Die Frau pocht dabei auf eine leistungsstarke Dunstabzugshaube und einen großen, leisen Geschirrspüler, um Gerüche, Unordnung und Arbeitsgeräusche aus dem Wohnbereich fernzuhalten. Gleichzeitig ist sie – zumindest in Familien mit klassischer Rollenverteilung – froh, beim Haushalten die Kleinen besser im Blick zu haben oder über den Tresen hinweg dem Nachwuchs Tipps bei den Hausaufgaben geben zu können.
Interessierten sich Männer früher traditionell mehr für das Ergebnis aus dem Backofen als für seine Eigenschaften, macht es heute dem starken Geschlecht Spaß, die Hightech-Geräte mit ungeahnten Finessen zu bedienen. Gradgenaue Einstellungen und unterschiedlichste Zubereitungsarten in einem Gerät wecken den Forscher- und Experimentiergeist der Herren. Das heute häufig verwendete Touch-Display an Elektroge- räten macht das Technikerlebnis beim Kochen perfekt. Die Dame interessiert beim Backofen zum Beispiel das Resultat der Dampfgarfunktion: nämlich gesundes, vitaminreiches Gemüse oder fettfrei zubereiteter Fisch.
Sie überzeugt ihren Gatten, den neuen Backofen auf Augenhöhe einzubauen, weil sie um die alltäglichen Handgriffe in der Küche weiß. Und während er sich noch begeistert aus der Bedienungsanleitung aneignet, wie Induktion funktioniert, und anfängt, von seinem alten Physiklehrer zu erzählen, ist sie heilfroh, dass die Kinder sich am neuen Herd die Finger nicht mehr verbrennen können und das Reinigen wiederum zum Kinderspiel wird, weil nichts mehr anbrennt.

Stoffe
Mit Dekorationen und praktischen Kleinigkeiten verleihen viele Frauen ihrer Küche den weiblichen Touch..

Richtig cool!

Über die Größe des Kühlschranks könnte es eventuell Auseinandersetzungen geben. Nur wenn mehrere Kinder im Haushalt leben, wird die Frau die Neigung ihres Partners zu dem riesigen zweitüri38 Kochen+Genießen Mit Dekorationen und praktischen Kleinigkeiten verleihen viele Frauen ihrer Küche den weiblichen Touch. gen Edelstahlkühlschrank vielleicht unterstützen. Für Männer ist der Kühlschrank ein Statussymbol und erst richtig „cool“ mit dem aus den USA bekannten Eiswürfel- und Trinkwasserspender in der Tür, mit dem der Herr des Hauses jedem Freund oder Kollegen im Handumdrehen ein kühles Getränk anbieten kann. Aber das ist auch in Ordnung, weil er dabei großen Wert auf die Energieeffizienz legt.
Sie wird ihm diese Laune gönnen, wenn er sich im Gegenzug mit den Ausstattungsmerkmalen anfreundet, die ihr am Herzen liegen: die Nofrost-Technik, mit dem lästiges Abtauen endlich der Vergangenheit angehört, und natürlich die speziell temperierten Bereiche für Obst und Gemüse, in denen Frisches länger frisch bleibt und folglich weniger weggeworfen wird und seltener eingekauft werden muss.

Reduziert oder romantisch

Richtig spannend wird es erst bei der Dekoration. Der Mann braucht in der Regel keine Kräutertöpfchen oder nostalgische Kaffeedosen auf der Arbeitsfläche. Dort soll nur stehen, was gebraucht wird. Edelstahl, Weiß und Grau – mehr Töne sind überflüssig. „Diese Reduktion auf das vermeintlich Wesentliche ist dabei vielen Männern gar nicht bewusst, sie haben schlicht kein Beiwerk im eigenen Fokus, halten wohnlich machende Dekorationen daher für mehr als überflüssig“, weiß Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche.
Viele Frauen schätzen zwar gerade in offenen Wohnküchen ebenfalls ein zurückhaltendes und schlichtes Design, empfinden aber eine Küche ohne jeglichen persönlichen Touch als kühl und ungemütlich. Atmosphärisches Licht, Gegenstände und Utensilien, die Sinne und Gefühle ansprechen, gehören für die meisten Frauen einfach zur Küche dazu – auch zu einer, die mit modernster Technik ausgestattet ist. Oft wird die Küche, die rein und klar im Möbelhaus steht, erst in der Wirklichkeit des eigenen Zuhauses auch richtig wohnlich, wenn die Frauen ihren gestalterischen Beitrag geleistet haben. Denn interessanterweise beschäftigt die deutsche und internationale Küchenbranche übrigens vorwiegend männliche Designer.